Mein Kartenlegen Fortsetzungsroman: Versunkene Träume

Kapitel 9 Versunkene Träume bei Mein Kartenlegen

Jossi war eine betrogene Ehefrau. Eine von vielen, wenn man der Statistik glaubte. Fünfunddreißig Prozent aller Ehefrauen und fünfzig Prozent aller Ehemänner gingen fremd, sagte eine unabhängige Studie des deutschen Meinungsforschungsinstituts FORSA. Und sie, Jossi, war leider mit einem dieser fünfzig Prozent verheiratet. Mist, warum hatte sie nur einen aus der falschen Hälfte gewählt? Hätte es nicht einer von den fünfzig Prozent Braven sein können? Oder waren auch die anderen fünfzig Prozent gar nicht so brav, sondern nur – verlogen? Wer weiß schon, ob Leute, die bei einer Meinungsumfrage befragt werden, auch die Wahrheit sagen.

Versunkene Träume Kapitel 9 - Der esoterische Fortsetzungsroman

Wahrscheinlich haben die schlimmsten Fremdgänger gar nichts zugegeben, sondern sich im Gegenteil als die vorbildlichen Gatten und Familienväter präsentiert. Man kennt ja diese Heuchelei. Immerhin darin war Roland anders: er ging fremd, aber er log nicht. Genauergesagt, ging er bekannt. Jossi besah sich anerkennend im lebensgroßen barocken Spiegel, der ihr Ankleidezimmer zierte. Sie war noch immer rank und schlank; ihr dunkelblauer Bikini betonte ihre Reize geschickt, ohne aufdringlich zu wirken. Klassische Eleganz.

Sie zog die gehäkelten Strandsandaletten an, die auch als schicke Hausschuhe fungierten, die sie beim letzten Urlaub im „Jupiter Spa Resort“ in Ibiza gekauft hatte. Schöne Urlaube, ja. Eine kleine Villa mit Schwimmbad im Keller, ja. Keine Geldsorgen – das hatte heutzutage durchaus etwas zu bedeuten. Ein gutes Leben, würden viele sagen. Doch wo war ihr Herz? Wo war, bei all dem, ihre Liebe geblieben? Jossi hätte ihre Liebe gern auf ein Kind konzentriert, als sie merkte, dass Roland keinen Platz in seinem Leben für sie hatte. Sie hatte sich sogar schon Namen überlegt – welche Frau tut das nicht? – „Theodor Rudolf“ für den Jungen, „Berta Violetta“ für das Mädchen.


Doch es gab kein Kind. Ihr Frauenarzt sagte, es sei alles in Ordnung mit ihr. Sie war gesund. Also musste es an ihm liegen. Doch ihr Roland war kein Mann, der sich einer ärztlichen Untersuchung unterziehen würde, oder der mit ihr in eine Klinik für Fruchtbarkeit gehen würde. Eine ärztliche Untersuchung seiner Samenqualität wäre für ihn Majestätsbeleidigung, ja vielleicht Gotteslästerung gewesen. Fruchtbarkeit, das war in seinen Augen schlicht Weiberkram, und alle Probleme damit hingen ausschließlich an der Frau.

Unfassbar, dass ein moderner Mann so denkt, schoss es Jossi durch den Kopf. Die Männer waren doch alle gleich. Ob Anwalt, ob einfacher Arbeiter – alle wollten ihr Schicksal selbst bezwingen, und eventuelle Probleme wurden zielsicher den Frauen zugeschoben, ursächlich. Schließlich hatten die Herren der Schöpfung selbst keine Probleme, sondern noch der Schwächste von ihnen betrachtete sich als der Lanzelot, der die Probleme der beratungsbedürftigen Frauen zu lösen vermochte, während er selbst in Wohlgefallen ob seiner eigenen Überlegenheit schwelgte.

Jossi schüttelte insgeheim den Kopf über so viel eitle Anmaßung und Unverständnis. Die Männer waren zuletzt doch alle, wenn nicht Verbrecher, wie es in dem bekannten Schlager hieß, so doch Verdränger, wie ein Psychologe sagen würde. Ob es stimmte, was Venus, Expertin von www.mein-kartenlegen.de , diesbezüglich zu ihr gesagt hatte? „Roland lebt aus dem Ego, nicht aus dem Sein“. Sicher war das wahr. Das Ego, das ist das Kleinliche, das Ängstliche, der Dünkel. Das Sein, das ist das Große, das Unendliche, das über allen Vorurteilen Erhabene.

Kurz, das Spirituelle, die Welt der Spiritualität. „Spirituell“ bedeutet auf Latein eigentlich „geistig“, und geistige Wesen sind wir ja alle, auch wenn uns unser Alltag kaum Zeit lässt, uns daran zu erinnern. Jossi hatte sich stets mehr mit dem Spirituellen, dem Sein verbunden gefühlt als mit dem Ego. Doch so ganz stimmte das nicht: sie schätzte den gehobenen Lebensstil, den Roland ihr bieten konnte. Ganz ohne erdgebundene Ego-Anhaftung war sie also auch nicht.


Sie war keine Heilige. Keine Nonne. Keine Mutter Theresa. Keine barmherzige Muttergestalt mit unendlicher Geduld. Eher schon eine rachsüchtige Betrogene. Ja, rachsüchtig. Doch wie konnte man Rache, dieses so menschliche Gefühl, leben, wenn man noch Tür an Tür mit dem Täter leben musste? „Überprüfe einmal, was du musst und was nicht. Vielleicht glaubst du nur, du müsstest etwas tun.“ So hatte Venus von www.mein-kartenlegen.de gesagt und ihr die freie Wahl gelassen, welche Alternative sie wählen wollte in ihrer Beziehungskrise.

Jossi war verwirrt: was muss sie denn tun, was kann sie lassen? Venus wusste sicher viel, aber nicht alles, zumal nicht, wenn es um Beziehungsthemen wie Eifersucht und Liebe geht. Denn esoterische Lebensberatung ist keine angewandte Psychologie und soll auch keine sein. Jossis eigenes, wenngleich nicht beendetes Studium der Psychologie eröffnete ihr tiefe Einsichten über die Dinge, wie sie ihr bevorstanden…

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