Mein Kartenlegen Fortsetzungsroman: Versunkene Träume

Kapitel 7 Versunkene Träume bei Mein Kartenlegen

Von draußen ertönte ein helles Quietschen der dichten Kies-Spur unter schweren Reifen. War es Lottis Mercedes, der ihr gefolgt war – ihr „Stern zum Fahren“, wie sie immer witzelte? Nein, ein blaugrüner BMW fuhr vor – der Fahrer desselben parkte selbstbewusst in der Einfahrt der kleinen Villa. Die Fahrertür öffnete sich wie in Zeitlupe und ein feister, mondgesichtiger Mann mit schwarzem Regencape stieg aus, wie suchend nach der Haustür schauend, und mit einem geübten Drücker auf der Fernbedienung die Zentralverriegelung seines Wagens betätigend. Das Mondgesicht blickte nun direkt zu ihr hin. Doch es sah sie nicht. Jossi hatte die Gardine fest zugezogen, als sie den Ankömmling erblickte, und sie wandte sich ab.

Versunkene Träume Kapitel 7 - Der esoterische Fortsetzungsroman

Es war kein anderer als Hubertus Feist, der Kanzleipartner ihres Mannes. Manger & Feist, die berühmte Anwaltskanzlei in Völklingen-Ortsteil, war das Lebenswerk ihres Mannes, und Hubertus – also zugleich der zweite Namensbestandteil – war ein untrennbarer Teil dieses Lebenswerks. Natürlich gab es diesen Witz: „Mager und Feist“, da der eine schlank war, und der andere eben wie er hieß. Außenstehende hätten sie für schwul halten können, die beiden Anwälte, die auch in ihrer Freizeit unzertrennlich waren.


Doch Insider wussten: das traf nur auf den zweiten Namensgeber der Kanzlei, Hubertus Feist, zu. Hubertus war ein bekennender Homosexueller und hatte sich in seiner Jugend bei den Gay-Tagen in der Hauptstadt Saarbrücken engagiert. Auch heute noch schrieb er Petitionen an den Landtag, um auf die bestehende Diskriminierung von Homosexuellen hinzuweisen, und dass diese Form der Diskriminierung „keine rechtliche und sachliche Grundlage hätte in einem modernen Rechtsstaat“. Innerlich musste ihm Jossi durchaus Recht geben. Sie war gegen jede Form von Diskriminierung, und Schwule und Lesben waren ihr persönlich sympathisch. Mehr noch: sie wusste, dass das europäische Kulturleben ohne den Beitrag homosexueller Genies kaum denkbar war. Sokrates, Leonardo da Vinci, Michelangelo – und viele heutige Designer, die Träume in Mode verwandten, die Frauen kleideten, nicht liebten.

Jossi mochte Homosexuelle. Doch Hubertus im Speziellen war ihr unsympathisch. Sie konnte es einfach nicht leiden, wie dieses Mondgesicht sich in ihr Leben eindrängte. Oder besser: nicht eindrängte, denn er war schon immer ein Teil davon gewesen, vor ihr. Als sie Roland kennenlernte, galt Hubertus ihr zuerst als ein skurriler Bekannter. So, wie halt viele Männer einen komischen Freund haben, den die Frau an ihrer Seite unbewusst ablehnt. Erst im Laufe der Zeit erkannte sie, dass er keine vorübergehende Erscheinung war, sondern eine feste Einrichtung in ihrem gemeinsamen Leben mit Roland. Hubertus war eine Art Institution. So war es auch eine Institution, dass er allwöchentlich zu Roland kam, um in den Genuss des Schwimmbads zu kommen und ausgiebige Bahnen im Pool zu ziehen. Jossi wendete sich entnervt ab.


Eigentlich hatte sie Lust zu schwimmen gehabt, doch wenn sie sich vorstellte, dass dort unten ihr untreuer Ehemann und das fette Mondgesicht mit der türkisfarbenen Pierre-Cardin-Badehose fröhlich plantschten und sich über uninteressante Fälle aus dem Kanzleileben unterhielten, verging ihr allmählich die Lust am Wasser. Unschlüssig starrte sie ins Wohnzimmer, das sich verdunkelte, während die Regenwolken tief tintenblau wurden. Hubertus, der einen eigenen Schlüssel zur Villa hatte, war die Vordertreppe hochgejapst und hatte die Eingangstür geöffnet. Jossi war indessen ins Obergeschoß in ihr Ankleidezimmer gegangen, um der Begrüßungsszene zu entgehen. Sie musste es sich selbst eingestehen: sie mochte den Kanzleipartner ihres Gatten nicht, diese unheimliche enge Brüderlichkeit, die sie ausschloss, und das in ihrem eigenen Haus.

Venus, die hellsichtige Beraterin von www.mein-kartenlegen.de , hatte ihr vorausschauend gesagt, dass es „zu viele Personen in ihrer Ehe“ gäbe. Wie wahr! Nur, dass es in dieser Beziehung nicht nur ein klassisches Dreieck war, wie es viele Ehefrauen erlebten – ein Mann mit der Geliebten – sondern ein Viereck, ein Mann mit seiner Geliebten und seinem schwulen Freund. Vier Personen in einer Ehe, das ist nun definitiv zu viel. Jossi nahm sich vor, dieses fatale Viereck zu sprengen…

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