Mein Kartenlegen Fortsetzungsroman: Versunkene Träume

Kapitel 3 Versunkene Träume bei Mein Kartenlegen

Camilla Aspensill, die kühle Norddeutsche. Oder auch: Jossis Nemesis. Die andere Frau. Die Rivalin. Eigentlich eine unglaubliche Geschichte, diese Frau Aspensill, und dann auch wieder so banal, dass man sagen musste: es ist alles bekannt. Sie war ins Saarland gekommen, um hier zu klagen – irgendeine verwickelte Erbangelegenheit – und sie war einfach geblieben. Dank einer Rechtsschutzversicherung klagte sie sich nun fröhlich durch alle Belange des bürgerlichen Lebens, sei es, dass der Frosch im Gartenteich zu laut quakte oder die Blautanne vom Nachbarn aufs eigene Grundstück nadelte.

Versunkene Träume Kapitel 3 - Der esoterische Fortsetzungsroman

Und immer war die Kanzlei ihrer Wahl natürlich Manger & Feist, und der Advokat ihrer Anliegen kein anderer als Roland höchstselbst, wie könnte es anders sein. Denn Roland war dem herben Charme der Norddeutschen längst verfallen. Ähnlich wie Charles damals seiner Camilla. Camilla! Jossi lächelte schon zynisch, wenn sie nur an diesen Namen dachte. Überkandidelt. Überspannt. Wer heißt schon Camilla? Und dann der ehebrecherische Ruf dieses Namens. Irgendwo auf der Welt – oder im Himmel – gibt es sicher ein Register für Ehebrecherinnen, und der beliebteste Name ist offenbar: Camilla. Camilla und Roland, ewige Liebe, so wie Camilla und Prinz Charles.


Weniger royal, aber genauso lästig. Und unverständlich. Auch Frau Aspensill war eine deutlich ältere und herbe, aber schon sehr herbe Schönheit. „Der Rottweiler“, nannten Höflinge die spröde Charles-Geliebte Camilla Parker-Bowles spöttisch. Auch Jossis nicht-royale Nebenbuhlerin war eine solche Art Rottweiler, mit Zähnen wie Fangzähne, schütterem aschblondem Fell, zerknittertem Trenchcoat über Gummistiefeln. Jossi schüttelte erbost ihre koketten dunklen Locken und sah in den Garderobenspiegel, der genau über ihr einen Riss im Glas hatte. Sie war erst Anfang vierzig, eine aparte Erscheinung mit Kleidergröße 38, dezent geschminkt – noch immer schön, noch immer jung.

Ihr bordeauxrotes Strickkleid mit dem schicken Stehkragen umschmeichelte vorteilhaft ihre Figur, ein schwarzer Veloursledergürtel betonte ihre schlanke Taille. Jossi konnte sich durchaus sehen lassen: in jedem Zoll eine Dame, eine Anwaltsgattin par excellence. Dass sie vor kurzem angefangen hatte, Rollkragenpullover aus feiner Seide zu tragen, um ihre Falten am Hals zu verbergen, tat nichts zur Sache. Es war offensichtlich, dass eine Camilla Aspensill ihr nicht im Entferntesten das Wasser reichen konnte – zehn Jahre älter und mit einem Gebiss, vor dem gestandene Kieferorthopäden fortlaufen würden. Was um aller Welt hatte Roland nur an ihr gefunden, an Camilla, der Rottweilerin mit den Lefzen im Maul, was finden Männer überhaupt an den Camillas dieser Welt? Welcher Mann mit einem auch nur einigermaßen funktionierenden Gehirn würde eine Camilla Aspensill jemals ihr, Josefine Dubouchard, vorziehen? Oder nur auf diesen Gedanken kommen?


Camilla war definitiv keine MILF, wie der Modebegriff für eine begehrenswerte Frau in den reifen Jahren lautete, der derzeit im Internet und in allen Frauenzeitschriften die Runde machte, sondern eher eine MILK: milfs I´d love to kill, ergänzte Jossi zynisch. Die Wahrsagerin Sannta von www.mein-kartenlegen.de hatte Recht, so weh ihr die Wahrheit auch tat: sie war wirklich zu gut für diesen Mann. Das war die logische Quintessenz, die Jossi aus zahlreichen qualifizierten esoterischen Beratungen am Telefon zog.

Zwar hatte die hellsichtige Beraterin ihr korrekterweise völlig den freien Willen zu der eigenen Entscheidung gelassen und lediglich Empfehlungen gegeben, doch Jossi kam selbst auf den Gedanken, dass im Leben ihres Gatten im Grund genommen nur eine One-Man-Show stattfand. Beziehungsweise eine One-Mann-Show mit gelegentlich einer anderen Frau. Jossi war unbedingt mehr wert als das. Roland sah sie nicht, er schätzte sie nicht, er nahm sie gar nicht wahr. Es musste etwas anders werden. Bald…

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