Mein Kartenlegen Fortsetzungsroman: Versunkene Träume

Kapitel 20 Versunkene Träume bei Mein Kartenlegen

Die Sonne glitzerte verheißungsvoll auf dem blauen Meer. Jossi hatte es geschafft. Sie hatte überlebt, hatte einen Doppelmord zwar nicht aufgedeckt, aber sie war mit dem Leben davongekommen. Sie hatte ihren Verfolger abgeschüttelt und vielleicht sogar der Polizei ein paar wertvolle Hinweise geben können – wertvoller als der Sermon, den Elfriede Schröter abgelassen hatte. Nein, Jossi war zufrieden.

Was kann man mehr vom Leben erwarten, als es zu leben, trotz allem? Was ist schon ein untreuer Ehemann, wenn es ums bloße Überleben geht? Was sind schon Rücksichten auf verstaubte Konventionen und ein gesellschaftliches Du-sollst, wenn das Leben kurz ist, wenn es nur darum geht, am Strand von Ibiza die Seele baumeln zu lassen? Jossi hatte ihre Sachen gepackt und war kurzentschlossen in Urlaub gefahren. Nicht in das exklusive „Jupiter Spa Ressort“, in dem sie und Roland vergangenen Sommer logiert hatten. Zu viele Erinnerungen.


Eine kleine, freundliche Casa hatte sie gastfreundlich aufgenommen, und Jossi streckte genüsslich ihre Beine auf der breiten Lounge-Liege aus Rattan aus, während sie an ihrem kühlen Drink nippte. Sie war eine tiefgründige, eine esoterische Natur, aber sie war auch durchaus praktisch. Gleich nach ihrer Zeugenaussage bei der Polizei war sie zu Polina gefahren, ihrer polnischen Haushaltshilfe, und hatte mit ihr einen Plan entwickelt, wie das zukünftige Leben zu gestalten war. Polina war viel mehr als eine „Perle“ für den Haushalt, sie war eine echte Vertraute.

Ihr dummer Verdacht, Polina hätte irgendetwas mit dem Mord an ihrem Gatten im Schwimmbad zu tun gehabt, hat sich als gegenstandslos erwiesen – tatsächlich hat sie selbst kaum daran gedacht, sondern es lediglich in einer Sekunde des Adrenalin-Schubs vermutet. Polina. „Polina aus Polen“, hatte der verstorbene Roland oft gewitzelt. „Sie heißen ja auch Weber und sind ein Spinner“, dachte Jossi.
Versunkene Träume Kapitel 20 - Der esoterische Fortsetzungsroman

Roland hatte solche schalen Wortwitze lustig gefunden. Jetzt lag er im Familiengrab derer von Manger in St. Ingbert, neben seinem armen Großvater, und seinen Eltern, die so stolz waren auf ihren einzigen Sohn, der es bis zum Anwalt gebracht hatte. Und zum Gatten einer schönen Frau. Jossi war zufrieden: sie hatte viel vom Leben gehabt. Geld, elegante Kleider, eine Villa in Völklingen, die jetzt gerade verkauft wurde, während sie hier auf den Strand blickte. Das Haus war zu groß für sie allein – mit zu düsterer Vergangenheit für sie, die jetzt nur für die Zukunft lebte.

Innerhalb von zwei Wochen hatte sich ihr gesamtes Leben verändert. Deutschland mit seinem Herbstregen, der nun gerade in die Kälte des Oktobers übergehen musste, die Röchlingshöhe mit ihrer biederen Behaglichkeit und die kleine düstere Villa, ihr am Eheleben zunehmend desinteressierter Gatte Roland – und dessen Geliebte Camilla, die „Rottweilerin“, wie sie ihre Rivalin in süffisanter Anlehnung an Prinz Charles´ Camilla Parker-Bowles nannte… das alles war nun weit weg. Jetzt wollte Jossi nur noch für die Zukunft leben.

Vielleicht würde sie morgen wieder mit den Beratern von www.mein-kartenlegen.de telefonieren, denn die kannten sich mit der Zukunft aus, mit Schicksals-Deutungen aller Art, Magie und Hellsicht. Sie vertraute ihnen sehr – auch, wenn sie trotz ihres astrologischen Rundumblicks, die Ereignisse von Jossis rasanter Lebensumwandlung nicht im Detail gesehen hatten. Was geschehen war, dort im fernen Deutschland, kam ihr selbst vor wie ein Traum, dessen Farben langsam verblassen.

Wie Fundstücke, die man beim Tauchen vom Boden eines Meeres aufgelesen hat, und die man nach oben zur Wasseroberfläche trägt, nur um dann enttäuscht festzustellen, dass das, was man für wertvolle Edelsteine gehalten hatte, in Wirklichkeit billiges Glas und Tand sind. So ist das Leben. Wir sind alle Taucher. Was ist schon Wirklichkeit? „Was denkst du darüber, caro mio?“, fragte Jossi mit einem raschen Blick über ihre Schulter den hübschen dunkelhaarigen Mann, der gerade in grauen Shorts und Sandalen die Terrasse betrat.


Es war Gianluca Sant´Angelo. Er schloss sie fest in die Arme. „Ich denke, dass du die schönste Frau auf der Welt bist, bella. Und die Villa deines Gatten eine halbe Million wert.“

Seit Monaten schon war sie seine Geliebte. Ihr Nebenjob in seiner Immobilienfirma hatte sie zusammengebracht. Nun war Gianluca am Zug. Der Weg war frei. Jossi blinzelte, als die helle mediterrane Sonne in ihre Augen stach…

- Ende -


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