Mein Kartenlegen Fortsetzungsroman: Versunkene Träume

Kapitel 18 Versunkene Träume bei Mein Kartenlegen

Wie durch Zauberhand geführt, gelangte Jossi nach ihrem holprigen Weg über die schmale Treppe wieder auf die Spur der Straße vor dem Schulgebäude. Sie raste weiter zum Kreisel in der Innenstadt, suchte verzweifelt ein Schild mit der Aufschrift „Polizei“. Wo nur war die Polizei in dieser Stadt? Oder musste sie überhaupt zur Polizei, nicht besser erst einmal den Verfolger abschütteln? Als resolute Skorpion-Frau ging ihr der eigene Selbsterhalt vor alles andere, auch wenn es Recht, Sitte und Ordnung hieß. Hier war ihr Leben bedroht. Jossi fuhr zielsicher auf die Autobahnausfahrt und raste geradeaus, Richtung Saarbrücken, ja sie wäre bis nach Frankreich gefahren, wenn es nötig gewesen wäre.


Was für ein Tag! Jossi fühlte sich wie von Hanussen hypnotisiert, wie in Trance. Die Ereignisse der vergangenen Stunden rasten in Sekundenschnelle an ihr vorbei, als sie sich in den Fahrersitz presste, um die Fahrt zu beschleunigen. Der Scheibenwischer teilte den Herbstregen auf ihrer Windschutzscheibe. Regen, Regen. Regen hat so etwas Meditatives, fand Jossi. Wasser überhaupt.

Sie war ein Wasserzeichen, hatte Venus von www.mein-kartenlegen.de immer gesagt. Seit Jossi häufig bei der esoterischen Lebensberatung anrief, hatte sie auch für alle Lebenslagen eine bestimmte Deutung parat. Wasser war nicht einfach nur Wasser, Lebenselement – das galt ja für alle Menschen – und es war zugleich auch ihr astrologisches Element. Wasserzeichen: Krebs, Skorpion, Fische.

Ein Fisch, ein Fisch-Mann bessergesagt, ruhte unsanft auf dem blau gefliesten Boden ihres Swimmingpools in der heimischen Villa. Ob sie jemals dorthin zurückkehren konnte, fiel es Jossi plötzlich ein. Immerhin, der Mörder ist nicht mehr dort – er ist jetzt auf meiner Spur, dachte sie grimmig, als sie den fünften Gang einlegte. Endlich, in gewollt schneller Fahrt, beruhigten sich ihre Gedanken wieder.
Versunkene Träume Kapitel 18 - Der esoterische Fortsetzungsroman

Schnelligkeit kann manchmal einen sehr heilsamen Effekt haben. Als sie noch auf der Schule war, in der zwölften Klasse im Gymnasium, hatten sie einmal „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ von Heinrich Böll gelesen. Katharina Blum ist eine junge Single-Frau, die nachts oft allein über einsame Straßen fährt, einfach so, weil ihr Gefühl einen Ausweg sucht. Jossi erinnert sich, dass diese Schullektüre damals einen unendlichen Eindruck auf sie gemacht hat.

Sie hatte Angst, so zu werden wie Katharina, die neurotisch, allein, als Single in einer Einzimmerwohnung haust und nachts über einsame Straßen fährt, nur um sich selbst zu spüren, um irgendeine Emotion herauszulassen. Ihr graute vor so einem Leben, vor so einer Zukunft, vor solchen Aussichten.

Vielleicht war das ein Grund dafür, weshalb sie so früh geheiratet hatte. Mit Anfang Zwanzig, ihr Leben lag noch vor ihr, hatte sie Roland getroffen, den aufstrebenden Anwalt, und sie, die junge Studentin, hatte gleich ihr Studium geschmissen, um einer Zukunft als Single-Frau zu entgehen.


Dann folgte, was folgen musste: die unerfüllte Ehe, Rolands unschöne Geliebte Camilla, und der ewige Alltagstrott. Begonnen hatte alles mit einer Studentin, die sich über-große Hoffnungen in Bezug auf den sicheren Hafen der Ehe machte. Sicher! Sicher war nur der Tod. Zwei Tote ruhten unsanft in ihrem Schwimmbad zuhause, und der Mörder war hinter ihr her. Jossi prüfte den Rückspiegel.

War sie allein? Der graue Wagen des Verfolgers war verschwunden. Erleichtert bog sie an der nächsten Autobahnausfahrt aus. Plötzlich fiel es ihr wieder ein, wo die Wache war – sie hatte es die ganze Zeit über gewusst, es war jedoch in ihrer Erinnerung blockiert gewesen wie ein Traum. Atemlos betrat sie das prätentiös wirkende Backsteingebäude. Ein junger Beamter, dessen Namensschild den nichtssagenden Namen „Müller“ trug, schaute sie herausfordernd an und winkte in Richtung des Flurs: „Der Manger-Fall? Gehen Sie bitte durch.

Die Kollegen sind längst draußen bei der Villa. Ihre Nachbarin hat uns verständigt, weil sie einen Einbruch gesehen haben will. Frau Elfriede Schröter…“

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