Mein Kartenlegen Fortsetzungsroman: Versunkene Träume

Kapitel 15 Versunkene Träume bei Mein Kartenlegen

In der Garderobe lag noch ihr Mobiltelefon, das sie nicht zum Pool hatte mitnehmen wollen. Hastig fingerte sie auf der Tastatur herum, wählte die Auskunft und ließ sich mit der örtlichen Polizeibehörde verbinden. „Hallo, Polizei? Hier ist ein Mord geschehen. Ja, ein Mord. Eins. Nein, zwei. Wo? Im Schwimmbecken. Was? Achso. Herrmann-Röchling-Höhe…“

Versunkene Träume Kapitel 15 - Der esoterische Fortsetzungsroman

Jossis Atem stockte wieder. Sie war sich bewusst, dass sie vollkommenen Blödsinn redete, dass sie wie unsinnig wirkte und dass es ihr in der Aufregung unmöglich war, irgendeinen klaren Gedanken zu fassen. Sicher dachten die Beamten in ihrer Wachstube, dass da irgendeine überkandidelte Ehefrau aus dem Nobelviertel anruft, nachdem sie sich einen kleinen Cocktail aus Crémant mit ein paar Tranquilizern eingeworfen hatte und nun ihre Halluzinationen unter behördlicher Aufsicht verbreiten wollte. Das taten recht viele.


Gelangweilte Ehefrauen, einst trophy wifes, jetzt freilich schon ein wenig angegraut, vertrieben sich oft die Zeit mit einer Mischung aus Psychopharmaka und Illusionen. Was ist schon dagegen zu sagen: wir leben alle in einer Illusion, mehr oder weniger. Der wachhabende Beamte herrschte Jossi grob an, ob es ihr ganz ernst wäre mit ihrer Anzeige. Sie solle herkommen und Meldung erstatten, forderte er sie barsch auf. Dann legte er auf. Offenbar hielt er sie wirklich nicht für glaubwürdig. Andernfalls hätte er sicher sofort einen Streifenwagen herausgeschickt, um den Tatort zu sichern. Jossi fieberte.

Sie fühlte ein Würgen im Hals. Ihr Blick fiel in den Garderobenspiegel. Sie stand im blauen Bikini vor dem Spiegel, mit einem Gesichtsausdruck, wie sie ihn noch nie hatte. Hier, in ihrem Haus, in ihrem Heim, war ein Mord geschehen. Nicht einer, zwei. Zwei Leichen schwammen unten im Pools, die eine mit dem Gesicht nach unten, die andere gefesselt, wie in schlechten Mafiosi-Filmen, auf dem Grund des Pools. Die eine, das war Hubertus Feist, der Kanzleipartner ihres Mannes, und die andere, das war ihr Ehemann selbst, Roland Manger, dessen Name im frankophonen Saarland oft so ausgesprochen wurde: „Mong-shee“. Noch vor etwa einer Viertelstunde hatte sie mit ihrer Freundin nichtsahnend über die Schlechtigkeit der Männer, insbesondere ihre eheliche Untreue, geplaudert.


Nun stand sie fröstelnd im Bikini vor einem Spiegel und hatte zum ersten Mal in ihrem Leben zwei Leichen aus der Nähe gesehen. Im repräsentativ ausgestatteten Wohnzimmer verklang gerade leise Daniel Barenboims klassische Interpretation von Mozarts Sonate in C-Dur. Und die Polizei hielt sie für bekloppt. Fröstelnd. Warum fröstelte sie? Jossi erbleichte, als sie im dunklen Spiegel hinter sich sah, dass die Tür von der Terrasse offenstand. Sie war verschlossen gewesen, als Hubertus ankam. Sie war verschlossen gewesen, als Roland nach ihr rief. Sie war verschlossen gewesen, als sie Stradas Anruf erhielt… oder nicht? Hatte sie überhaupt darauf geachtet? Sie war tatsächlich so ins Gespräch über die Untreue ihrer Gatten vertieft gewesen, dass sie nichts bemerkt hatte, auch keinen möglichen Eindringling in ihr eigenes Haus.

Kühler Septemberwind wehte durch die offene Tür und schob die breiten Gardinen beiseite, die unheilvoll rauschend wie ein Atem des Todes über den Boden zogen, wie Schleppen von Gespenstern. Jossi fühlte, dass ihr der Puls raste. Sie durfte keine Zeit verlieren. Sie war offenbar nicht allein hier. Ein Mörderhaus. Nur raus hier, raus!, hämmerte ihr Instinkt eine laute Warnung in ihrem Bewusstsein. Sie war eine Skorpion-Frau, ihr Selbsterhaltungstrieb war schon immer besonders stark ausgeprägt gewesen. So auch jetzt. Von wegen Mars in den Fischen, wie ihr die astrologische Beraterin von www.mein-kartenlegen.de vorausgesagt hatte. Zwei Tote im Pool, das wäre die richtige Prognose gewesen, die exakte. Sie würde der erfahrenen Expertin sicher alles berichten. Wenn sie hier lebend herauskam…

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