Mein Kartenlegen Fortsetzungsroman: Versunkene Träume

Kapitel 14 Versunkene Träume bei Mein Kartenlegen

Auf dem Boden des Pools, in der rechten hinteren Ecke, liegt ein verschnürtes Paket, das einen gesenkten Kopf, Arme und Beine hat. Um den Leib trägt es eine Manschette. Jossi stockt der Atem: es ist Roland! Jemand hat ihn gefesselt, wohl mit einer Bleibinde, und ihn in den Pool sinken lassen. Sein Körper ist starr, unrettbar verschränkt. Es steigen keine Luftblasen hoch. Die Wasseroberfläche ist unbewegt und still. Er atmet nicht mehr. Wer auch immer das getan hat, er ist mit großer Präzision und Routine zu Gange gewesen – ein Profi.

Versunkene Träume Kapitel 14 - Der esoterische Fortsetzungsroman

Wie mit einer Scharfstellung in der Kamera-Einstellung registriert Jossi in Sekundenbruchteilen alles, was hier in ihrer Abwesenheit geschehen sein muss: zwei Morde, versenkt im Pool. Ihr wird schlagartig kalt, als flösse ihr Blut vom Kopf ins Herz. Innerhalb von Minuten – wie lange hat ihr Telefonat gedauert? Eine Viertelstunde, zwanzig Minuten? – hatte sich jemand eingeschlichen und die zwei Männer ermordet, die die größten, wenn auch vielleicht zugegebenermaßen nicht gerade die liebsten Einflussgeber in ihrem Leben waren. Roland, ihr untreuer Gatte, der mit seiner herben Geliebten Camilla Aspensill mehr liiert war als mit ihr, seiner rechtmäßigen Ehefrau.


Hubertus, sein schwuler Freund, der oft zum Schwimmen in ihren heimischen Pool kam und der neuerdings auch ein gefährlicher geschäftlicher Rivale wurde. Tot. Einfach tot. Alles drehte sich vor Jossis Augen. Sie hat Roland verurteilt, sie hat Hubertus nicht leiden können – doch Mord? Eine Scheidung wäre ihr genug gewesen. Wer nur konnte die beiden so hassen, dass er ihren Tod gewünscht hat? Vielleicht ein Mandant, der mit der Arbeit seines Anwalts – des „Brecher-Rächers“ – unzufrieden war und daher Vergeltung üben wollte? Gab es noch weitere Figuren in diesem Spiel, die sie nicht kannte, Hintermänner, von denen sie nichts wusste?

Hellsehen ohne Hilfsmittel, wie Expertin Venus von Mein-kartenlegen.de, kann sie nicht. Und auch Venus hatte das nicht kommen sehen. Jossis Gehirn arbeitete in Sekundenschnelle, tausend alarmierte Gedanken schossen ihr scheinbar gleichzeitig durch den Kopf. Du bist in einem Mörderhaus, Josefine. Mutter hat´s dir immer schon gesagt, die Schickimicki-Kreise sind nichts für dich. Du bist bodenständig, oder? Bodenständig. Wie lange kann ein Mann unter Wasser überleben? Ein Meter achtzig tief ist das Schwimmbecken an seiner tiefsten Stelle, hat der Makler gesagt, selbst aufrecht könnte Roland nicht darin stehen, ohne Wasser in die Lungen zu bekommen.

Sie selbst misst knapp einsneunundsechzig. Wer war es? Wer nur könnte es gewesen sein? Da sind nasse Fuß-Spuren am Beckenrand. Ihre eigenen. Hubertus´ große Plattfüße. Rolands schmaler Fuß. Der Spreizsenkfuß ist die in Mitteleuropa häufigste Fußformation. Ich muss die Ambulanz anrufen. Den Amtsarzt. Den Bestatter. Oh, Gott! Jossi fühlte sich, als ob sie sich selbst von Außen sähe und neben sich stünde. Typische posttraumatische Reaktion, abgekürzt PTBS, weiß sie noch aus ihrem angefangenen Psychologie-Studium. Es ist eines, Bücher zu studieren, und es ist etwas anderes, den eigenen Ehemann gefesselt auf dem Grund des eigenen Swimmingpools zu sehen.


Jossi kam sich schrecklich hilflos vor, wie ein Kind, überrannt von dieser Situation, überrollt. Jetzt half auch keine esoterische Lebensberatung von www.mein-kartenlegen.de mehr, die Zukunft aus den Sternen zu deuten, wenn Lebenslichter jäh verglüht und Träume versunken waren. Was nur um Himmelswillen macht man mit zwei Leichen im Haus? Ruhig bleiben, Jossi. Wo ist die Nachbarschaft, wenn man sie einmal braucht? Oder ob es sogar – ein Nachbar war? Eins steht fest: Roland ist nicht der Täter. Wenn sie seiner Aufforderung, nach unten zu kommen, früher gefolgt wäre, würde sie jetzt vielleicht sein und Hubertus´ Schicksal teilen.

Ihr langjähriger präkognitiver Traum war also eine Warnung gewesen. Im Haus herrschte Stille. Totenstille, wenn der Begriff nicht gerade jetzt so geschmacklos wäre. Und das hieß – der Täter muss noch da sein. Jossi stürzte in Panik die Treppe hoch…

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