0. Tarotkarte: Der Narr

Das mystische Tarot: Der Narr

Das mystische Tarot beginnt klassischerweise nicht mit der Zahl Eins, sondern mit der Null. Die Ziffer Null stammt aus dem indischen Kulturkreis – im Gegensatz zu unseren anderen, ursprünglich arabischen Ziffern – und bedeutet in der traditionellen Zahlenmystik die geheime Urquelle allen Seins, die Ur-Materie, aus der heraus sich das Universum entfaltet. Die erste Karte des Tarots, die Null, ist also der Beginn, in dem alles andere schon enthalten ist, wie die Henne im Ei oder der erwachsene Mensch im Embryo. Der so genannte Narr ist die erste Karte des Tarots und bedeutet Neuanfänge, neue Impulse und Lebensmut, aber auch Übermut. Die Bedeutung des Wortes Narr („fool“ auf Englisch) stammt eigentlich von einem noch älteren Wort ab, das so viel bedeutet wie „ein Sack voll Wind“.

Ein solcher „Windbeutel“ ist der Narr, ein unbefangener, aber auch leichtsinniger Mensch, der nicht auf seinen Weg achtet und sich leicht davon abbringen lässt. Im Raider-Waite-Tarot ist die Darstellung des Narren daher die eines jungen Mannes im gescheckten Gewand (ein buntes Gewand war auch beim Ritter Parzival das Kennzeichen der Narrheit), der fast von einem Felsen stürzt, weil er träumerisch in die Luft blickt, statt auf seine Füße zu achten, während ein Hund ihn durch Bellen zu warnen versucht. Deshalb repräsentiert diese Karte auch die mangelnde Bodenhaftung einer Person oder eines Projekts, das noch nicht ausgereift ist, oder eines Vorhabens, das gefährlicher werden könnte, als es zunächst aussieht, weil man die Konsequenzen nicht überblickt.


Dennoch hat diese Karte auch eine positive Bedeutung und Konnotation, denn sie steht auch für das Unbeschwerte der Jugend, für den Zauber, der bekanntlich – einem Wort von Goethe zufolge – jedem Anfang innewohnt, und für die unverbrauchte Energie des Frühlings, die manchmal überschwänglich ist und wunderbare, aber eben auch zuweilen wundersame und unerwartete Ergebnisse bringt. Als Ereigniskarte – nach dem Motto „was kommt als Nächstes?“ – bedeutet der Narr oft, dass es eine überraschende Wendung in einem geplanten Vorhaben geben kann, eine eher ungeschickte Verhaltensweise oder einen unerwarteten Neuanfang, mit dem man vielleicht gar nicht gerechnet hatte.


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